Presse

Hannoversche Allgemeine Zeitung, Februar 2018

Frischzellenkur für Vivaldis „Jahreszeiten“

Das Bremer Barockorchester spielte in kammermusikalischer Besetzung Vivaldis berühmte „Vier Jahreszeiten“ so frisch, als sei das Werk gerade erst komponiert worden. Das Publikum reagierte begeistert.

Kein ein Starviolinist, kein Orchester von Rang, die sich nicht abgearbeitet hätten an Vivaldis „Vier Jahreszeiten“. Wer aber glaubte, er habe die mitreißendste Interpretation der 1725 veröffentlichten Violinenkonzerte längst gehört, sah sich am Sonntagabend im Schloss eines Besseren belehrt. Das Bremer Barockorchester (BBO) unter der Leitung des Cellisten Néstor Cortés legte eine so frische und überzeugende Version dieses berühmten Meisterwerks vor, dass sich der Eindruck einstellen konnte, die Noten seien gerade eben erst für genau diesen Anlass komponiert worden.

Der Kulturverein Scena hatte wieder mal Händchen bewiesen. Nicht nur dass er – endlich, möchte man meinen – Vivaldis „Jahreszeiten“ zum krönenden Abschluss der sechsten Saison seiner gleichnamigen Kammermusikreihe präsentierte. Mit dem Bremer Barockorchester hatten die Konzertmacher zudem ein Ensemble nach Burgdorf geholt, das vor interpretatorischen Ideen nur so sprudelte. Und das sich zugleich so sympathisch bescheiden gab mit dem Hinweis, es finde sich ja alles in der Originalpartitur genau so vorgegeben. Was umgehend die Frage aufwirft, warum sich der Zyklus vielfach so anhört, als sei er mit dem Weichspüler behandelt?

Mit Weichmachern hatten die neun Musiker aus Japan, Russland, Ungarn, Kolumbien, Portugal, Spanien, Mexiko und Deutschland nun wahrlich nichts am Hut, beziehungsweise an den Saiten. Das Publikum bekam es mit einem Klangkörper zu tun, der musikalisch kompromisslos die Hosen runter ließ, so pur und authentisch gerieten die Naturdarstellungen in Tönen.

Wo im Frühlingskonzert zarte Gehversuche der Sonne über den Umweg der Ohrmuschel vor dem inneren Auge aufstrahlen sollten, hauchten die Violinen ein durchsichtiges Allegro hin. So zärtlich und zurückhaltend zunächst, dass mancher im Saal eingangs ein wenig fremdelte mit der Interpretation. Wo dann im Sommerkonzert drückende Hitze die Menschen lähmt und schließlich donnernde Gewitter aufs Getreide niedergehen, brausten nach den zunächst schleppenden Akkorden des Themas plötzlich ungestüme Rhythmen von Bass, Gitarre, Cello, Bratsche und Cembalo auf und verdichteten sich mit den virtuosen Bogenstrichen der Violinen zu einem Hochamt der Eufonie.

Nicht erst jetzt hatte das BBO das Publikum gepackt. Schon die dem Sommer vorangestellten „Follia“-Variationen, ein Mix aus dem Wahnsinn gewidmeten Barock-Hits verschiedener Komponisten, hatten ihre mitreißende Wirkung entfaltet. Herrje, da war alles drin: ein bezauberndes Gitarren-Intro, ein wilder Tanz, rasend schnell und kraftvoll gespielte Geigen-Passagen, ein Cello-Groove zum Mitwippen.

Schließlich dann der Winter: Klirrende Kälte, Zähneklappern und knirschendes Eis wollen mit musikalischen Mitteln ja erst einmal übersetzt sein. Das BBO vermochte auch dies – ohne falsche Konzessionen an den Wohlklang. Die Saiten, nah am Steg gestrichen und so der Obertöne beraubt, quietschten fast. Umso befreiender dann die Auflösung der Dissonanzen im Largo, wo sich das Publikum am wärmenden Kamin wähnen durfte, während das Zupfen der Geigen das Prasseln des Regens gegen die Fensterscheiben simulierte. Bevor am Ende die Soloviolinistin Tomoe Badiarova noch einmal zu großer Form auflief, um im nun tobenden Wintersturm allerhöchste Schwierigkeitsgrade scheinbar spielerisch zu bewältigen.

Mit aufbrandendem, anhaltenden Applaus und Bravo-Rufen zeigte das Publikum dankbar, was es von diesem Vortrag hielt. Es bekam dafür noch einmal die Jagd aus dem Herbstkonzert auf die Ohren.

Weserkurier, November 2017

…eine überaus reizvolle und unterhaltsame Lehrstunde in Sachen Musikgeschichte, die indes gänzlich ohne trockene Theorie auskam, dafür mit großartigen Musikbeispielen rundum begeisterte.

Optimal ausgewogen und mit spielerischer Leichtigkeit wurden die Sätze intoniert…

Ein „Grave“, mit viel Sensibilität und Ausdrucksfülle vorgetragen, leitete [Georg Muffats] Ciacona ein. Mittels rhythmischer Prägnanz, aber auch einer ruhig geführten, dabei von überaus kunstvoll gestalteten Verzierungen umrankten harmonischen Linie, formte das Orchester bezaubernd kaleidoskopische Klangbilder…

Einen echten Clou landeten die Bremer mit der zweiten Konzerthälfte…Leidenschaftliche musikantische Ausführung brachte dabei ungezügeltes Vergnügen, Heiterkeit und Ausgelassenheit zum Ausdruck…

…die beiden strahlend hellen Frauenstimmen [Swantje Tams Freier, Lore Agustí] harmonierten timbrisch ausgezeichnet miteinander, ebenso auch in neckischen Trio-Tändeleien mit Bariton Jorge Alberto Martínez…

…Bläser und Streicher wetteiferten mit immer komplizierter werdenden Trillern und Koloraturen in turbulentem Gegen- und Miteinander. Ein grandios gespieltes Blockflötenkonzert (Solistin: Anninka Fohgrub) unterstrich klangschön die temperamentvolle, unbeschwerte Fiesta-Stimmung. Schließlich, als Zugabe nach enthusiastischem Beifall, ein spontan improvisierte Galliarde, an der Zuhörer und Ausführende gleichermaßen ihre helle Freude hatten.

Nordsee Zeitung, März 2017

Als Sinkovsky den Bogen seiner Solovioline hob, begann ein atemberaubendes Streichen durch die vier Jahreszeiten. Das Barockensemble zauberte mit Tönen voller Zartheit und Temperament Frühlingsbilder in die Vorstellungswelt des Publikums.

Die Freude über den frühlingshaften Zusammenklang ihrer Interpretation war allen Musikern ins Gesicht gezeichnet. Der Überschwang des Sommers, der Erntedank im Herbst und die klirrende Kälte des Winters folgten in eben solcher Eindringlichkeit.

Das Publikum (...) zeigte seine uneingeschränkte Begeisterung durch frenetischen Beifall, stampfende Füße und stehende Ovationen. Ein Grund für zwei Zugaben...

Weser Kurier, Juni 2016

Das erst im Jahr 2015 gegründete Ensemble besitzt nicht nur hörbar profunde Kenntnisse im barocken Musikstil und eine tadellose Spieltechnik, sondern es verfügt auch über einen homogenen Klang, der durch das gegenseitige, aufmerksame Aufeinanderhören die kammermusikalische Transparenz nie verliert.

...vitale Akzente in der melodischen Ausformulierung und der Tempowahl...

Im Tripelkonzert für Traversflöte, Violine, Violoncello, Streicher und Basso continuo lieferten die Solisten (...) eine ausgefeilte, besonders im langsamen Satz sehr subtile Wiedergabe.

Die Konzerte für Streicher von Francesco Durante und Antonio Vivaldi (letzteres eingeleitet durch ein stimmungsvolles Vorspiel der Continuo-Gruppe) sorgten für einen angenehmen Kontrast...hier überzeugten die prägnanten musikalischen Charaktere ebenso wie die gelungenen Kontraste zwischen satten Tutti-Klängen und elaborierten solistischen Abschnitten.

Weser Kurier, Oktober 2016

Das Bremer Barockorchester begeisterte in der Kirche Unser Lieben Frauen mit einer exzellenten Aufführung der schönsten Tanzweisen des Komponisten Jean-Baptiste-Féry Rebel.

Erst im letzten Jahr gegründet, hat das Ensemble bereits mit ausgefeilter Spieltechnik und stimmigen Interpretationen auf sich aufmerksam gemacht. Auch diesmal überzeugten die jungen Musiker von Beginn an mit perfektem Zusammenspiel und effektvoller Phrasierung.

Mitreißend und dynamisch präsentierte das Orchester unter der dezenten, sehr umsichtigen Leitung von Primgeigerin Olivia Centurioni die reizvollen, von purer Lebensfreude durchdrungenen Werke. Jede der unzähligen Verzierungen wurde mit der Präzision eines gut geölten Räderwerks ausgeführt, stets unter exakter Beachtung verschiedenartiger Metren und klarer Differenzierung.

Ein erfrischendes Amüsement, das für seine exzellente Ausführung begeisterten Beifall erhielt.

Weser Kurier, März 2016

Mit berauschender Verve gingen die jungen Musiker ans Werk, jede Phrase, jede Sequenz lebhaft und sorgfältig gestaltend.

...brillant ausgeführte Verzierungen, warm tönende Harmonien und prägnante Rhythmik...

...inbrünstige, auf engstem Raum erzählte Geschichten voller Ausdruckskraft.